Hochbegabte Kinder und emotionale Intensität

Hochbegabung hat nicht nur eine intellektuelle Seite, sondern oftmals auch eine intensive emotionale Komponente. Dieser Emotionalität wird jedoch im Allgemeinen nicht diejenige Beachtung geschenkt, die es erfordern würde. Die Fähigkeit komplexe Zusammenhänge zu erfassen, geht nämlich mit der Fähigkeit emotionale Tiefe zu erleben einher.

Text: Birgit Trappmann (M.A.)

 

Emotionale Intensität kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen:

 

 

Als intensives Gefühlserleben

 

Positive und negative Gefühle können übergroß erlebt werden. Starke Schwankungen, wie himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, können rasch aufeinander folgen. Vielschichtige Emotionen, die mit Leichtigkeit von einem Gefühl zum nächsten springen zeigen, wie rege und flexibel der Geist derart hochbegabte Kinder ist.

 

 

Eine ausgeprägte Empathie (Einfühlungsvermögen) macht es mitunter schwer, eine stabile positive Grundstimmung zu halten. Sich mit den Gefühlen anderer Menschen zu identifizieren birgt die Gefahr nicht zu wissen, welche Gefühle nun die eigenen sind und welche zu anderen Menschen gehören.

 

 

Als körperliches Erleben

 

Der Körper spiegelt die Emotionen und Gefühle wieder, denn Körper und Geist stehen in einer Wechselwirkung. Symptome, wie ein »komisches« Gefühl in der Magengegend bis hin zu Magenschmerzen, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Spannungsgefühle, Erröten, Atemnot, Juckreiz usw. lassen mitunter das Kind überempfindlich erscheinen.

Später kann sogar der Verdacht aufkommen, dass die Kinder simulieren (um evtl. nicht in die Schule zu müssen), oder in Richtung Hypochonder tendieren. Sie können unter Ängsten leiden eine ernsthafte Erkrankung zu haben, ohne dass sich dafür ein angemessener, objektiver Befund finden lässt.

 

 

Als Gehemmtheit, Ängstlichkeit und/oder Schüchternheit

 

Als starkes affektives Gedächtnis

 

Die Kinder haben ein sehr gutes Erinnerungsvermögen an diejenigen Gefühle, die Ereignisse begleitet haben. Diese Gedächtnisinhalte werden förmlich nacherlebt, auf Wunsch sogar immer wieder. Es besteht auch die Tendenz, dass Gefühle noch lange »nachhallen«, so dass die gefühlsmäßige Erregung wie beim Zupfen der Saite einer Gitarre ausklingen muss, bis die betreffende Saite nicht mehr schwingt.

 

 

Als Angst, Furcht und Sorge, Schuldgefühle, Sorge die Kontrolle zu verlieren, als Beschäftigung mit dem Tod und erlebten depressiven Verstimmungen

 

Als emotionale Beziehungen und Verbindungen mit anderen. Ausgeprägte Empathie und Mitgefühl für andere, Sensibilität in Beziehungen, besonderer Zugang zu Tieren, Probleme sich an neue Umgebungen zu gewöhnen, Konflikte mit anderen über die Qualität der Beziehung und des Umgang miteinander.

 

Als kritische Selbsteinschätzung und mangelndes Selbstbewusstsein, Gefühle der Unzulänglichkeit, Minderwertigkeit und Unterlegenheit. 

 

Es scheint noch wenig bekannt zu sein, dass emotionale Intensität eine beachtliche Komponente von Hochbegabung ist, denn erst allmählich rücken die Gefühle in den Focus der Aufmerksamkeit.

 

 

 

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