Neue Impulse in der AD(H)S Hilfe

Wir leben in einer beschleunigten und sich stark verändernden Welt. Diese ist geprägt von einer veränderten Wertehaltung, Ellenbogenmentalität und einer zunehmenden Orientierung am Eigennutz. Positive Charaktereigenschaften wie Solidarität, Mitgefühl und soziale Verantwortung werden gesellschaftlich zwar regelmäßig diskutiert, finden in der Praxis aber nur allzu selten Anwendung. Zeitweilig werden diese Verhaltensweisen in unserer leistungsorientierten Gesellschaft gar als persönliche Schwächen gewertet.

Leider macht diese Entwicklung auch vor unseren Kindern nicht halt. Sind wir nicht, von vielen gänzlich unbemerkt, längst zu einer Gesellschaft geworden, welche AD(H)S begünstigt oder sogar fördert?


In meiner täglichen Praxis als Heilpädagogin, in welcher ich u.a. als ambulante Familienhelferin  tätig bin, scheint mir  Hyperaktivität  ein typisches Phänomen in der heutigen Zeit zu sein. Mittlerweile hat sie sich zur häufigsten Störung im Kindes- und Jugendalter entwickelt und ist im Kontext Schule und Kindergarten nicht mehr wegzudenken.

Fordert uns die stetig wachsende Anzahl von verhaltensauffälligen Kindern nicht auf, einen neuen Umgang mit ihnen zu finden? Passt der bislang gepflegte Lehrstil in Schulen noch zum Lernstil unserer Kinder?

Unser Alltag hat sich verändert

Um die Wirkungszusammenhänge verstehen zu können, ist es meines Erachtens nach wichtig, den  Kontext dieser Kinder  zunächst näher  zu betrachten.  Jedes menschliche Verhalten ergibt  erst im Gesamtkontext gesehen   einen nachvollziehbaren  Sinn.  Die Lebenswelt der Kinder hat sich nämlich rasant verändert. Prall gefüllte Terminkalender, hohe Erwartungshaltungen, permanenter Einfluss digitaler Medien, Bewegungsmangel, aber auch rückläufiges Pflegen von Ritualen und fehlende Strukturen prägen unsere Kinder signifikant.

Verhaltensauffälligkeiten und Impulsivität der Kinder dienen häufig dazu, eine verloren gegangene Ordnung im System wieder herzustellen. Wir scheinen mittlerweile in einer Gesellschaft zu leben, die sich permanent dagegen wehrt, optimale Bedingungen für ihre Kinder zu schaffen.

Weiterhin möchte ich auch die Erwachsenen nicht ausnehmen und die Frage stellen, ob wir   überhaupt noch die Geduld und Zeit haben, uns auf unsere Kinder mit all ihren Varianten einzulassen?

Was ist AD(H)S überhaupt?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, kurz AD(H)S,  ist eine neurobiologische Erkrankung mit erheblichen sozialen Auswirkungen. Von AD(H)S wird gesprochen, wenn Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität vor dem siebten Lebensjahr begonnen hat. Die Kinder fallen durch mangelnde Konzentration, leichte Ablenkbarkeit und motorische Unruhe auf. In meinen Gesprächen mit Lehrern zeigte sich, dass für Lehrer, Kinder mit einer AD(H)S-Symptomatik eine besondere Herausforderung darstellen. Bedingt durch die Klassengröße und die vorgegebenen Lehrpläne, scheint es für die Lehrkräfte eine sehr schwierige, zum Teil sogar eine unlösbare Aufgabe zu sein, diesen Kindern gerecht zu werden und diese nach Möglichkeit individuell  zu fördern. Für die Lehrkraft ist es schwierig, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, den Unterricht störungsfrei zu gestalten. Pädagogen haben das Gefühl, nur noch zu maßregeln und der Schulalltag ist zu einer Zerreißprobe für alle Beteiligten geworden.

Doch Stress blockiert bekanntermaßen alle Beteiligten und es werden nur selten geeignete Lösungen gefunden, um den Problemen sachgerecht zu begegnen.

Dies verwundert nicht, denn Stress löst Unsicherheiten aus und hindert Lehrer wie auch Kinder daran, Neues auszuprobieren und nach geeigneten Lösungen zu suchen.

Was Kinder brauchen

Insbesondere Kinder mit AD(H)S Symptomatik bedürfen in hohem Maße ein großes Einfühlungsvermögen für ihre besondere Situation und Begleiter, die ihnen helfen, sich im Alltag zurechtzufinden.

Die Kinder kommen nicht ohne Hilfe bei der Persönlichkeitsentwicklung aus. Zeitgleich benötigen sie veränderte Entwicklungsbedingungen, um negative Begleiterscheinungen wie z.B. Aggressionen, Impulsivität, Schulversagen oder schlechte soziale Integration zu vermeiden, bzw. zu minimieren oder abzubauen.

Kinder, und dies betrifft nicht nur Kinder mit einer AD(H)S-Symptomatik, sind auf eine positive, anregende und angstfreie Lernatmosphäre als Grundvoraussetzung für Weiterentwicklung und erfolgreiches Lernen, angewiesen. Ein veränderter Blick auf das Krankheitsbild AD(H)S ermöglicht es dem Lehrer, den Unterricht mit AD(H)S-Kindern in der Klasse möglichst so zu gestalten, dass er ruhiger und entspannter abläuft. Ein hoher Stresslevel macht Lehrer und Schüler gleichermaßen reizbar. In dieser Situation ist häufig kein effizientes Arbeiten möglich. Die Kinder benötigen für ihr erregtes Nervensystem Schutz und Abgrenzung

Stilleübungen zur Selbstregulation

Nur wenige betroffene Kinder sind in der Lage, sich aktiv selbst zu regulieren. Die meisten  jedoch haben Schwierigkeiten mit der Selbstregulation. Sie sind abhängig von geeigneten Methoden zur Emotionsregulation oder von der Unterstützung durch verständnisvolle Bezugspersonen, die ihnen helfen, ihre Situation zu meistern. Schutz und Abgrenzung muss erlernt werden. Kleine Auszeiten über den Tag verteilt, unter Zuhilfenahme so genannter Stille-Übungen, helfen erregte Nervensysteme sich zu regulieren und zu entspannen.

Stille-Übungen dienen als Kraftquelle, um die „körpereigene Batterien“ wieder aufzuladen.

Durch gezielte Entschleunigung entstehen neue konstruktive Gedanken und Ideen. Gelassenheit fördert Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Wenn wir in uns ruhen, werden vermehrt Glückshormone ausgeschüttet. Diese verhelfen uns  zu mehr Aufmerksamkeit, gesteigerter Konzentration und zu einer verbesserten Lernaktivität. So bestätigt der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Gerald Hüther, dass neuroplastische Botenstoffe wie Dopamin im Gehirn wie Düngemittel wirken. Die Grundvoraussetzung für nachhaltiges Lernen ist, dass wir das Lernen mit einem positiven Gefühl oder Gedanken koppeln.    

Die Silencer-Methode für Kinder mit AD(H)S Symptomatik

In meiner täglichen Praxis wende ich die Silencer-Methode seit geraumer Zeit mit großem

Erfolg an. Die Effektivität ist schon nach relativ kurzer Zeit erkennbar. Die Methode basiert auf neuesten psychologischen Erkenntnissen und vermittelt Selbstheilungstechniken zu unterschiedlichen Themen wie Stress, AD(H)S, Reizüberflutung, mangelndem Selbstvertrauen  oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Die Silencer-Methode besteht aus einer Kombination aus Psychoedukation und konkreten Übungen. Psychoedukation zielt darauf ab, die Kinder für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptomatik zu sensibilisieren. Die bewährte Selbsthilfetechnik wird mit maßgeschneiderten Übungen mit einer Perlenkette kombiniert.

Die Übungen sind eine geeignete Methode, um adäquat  den Umgang mit eigenen Gedanken und Gefühlen zu erlernen.

Das Ziel der Übungen liegt darin, negative Glaubenssätze zum Positiven zu verändern. Durch gezielte Übungen können Kinder sowohl den sensorischen Input als auch ihre eigenen Emotionen regeln. Psychische Faktoren haben Einfluss auf unser Nervensystem. Die Kraft der Gedanken verändern unsere Nerven-, Hormon- und Immunsysteme.

Stilleübungen für das Gehirn

Immer dann, wenn es um Gefühle geht, ist die Amygdala aktiv. Diese Hirnregion sendet Signale an weitere Teile des Gehirns, welche dann darüber entscheiden, ob im positiven Fall Glückshormone oder aber im negativen Verlauf Stresshormone frei gesetzt werden.

Bei der Aufnahme sensorischer Reize, wandert der Input weiter zum Thalamus. Dieser wiederum kommuniziert mit der Amygdala im limbischen System. Dort sind alle Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle gespeichert. Die Amygdala ist wesentlich an der Entstehung von Ängsten beteiligt und spielt eine tragende Rolle bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse von Gefahren, wobei  Situationen, die mit unguten Gefühlen verknüpft sind, stärker abgespeichert werden. Dies hat zur Folge, dass die Amygdala auch dann aktiv wird, wenn Situationen auftreten, die an Bedrohung erinnern. Das emotionale Beurteilungsvermögen in der Amygdala, welches darüber entscheidet, ob etwas z.B. vertrauenswürdig, interessant-uninteressant, wichtig-unwichtig, sympathisch-unsympatisch  ist, verläuft auf unbewusster Ebene. Diese Beurteilung findet in Millisekunden statt und arbeitet schneller als der Thalamus. An dieser Stelle werden die Weichen gestellt, ob die sensorischen Reize überhaupt zum Cortex als Speicherung von Inhalten des Bewusstseins weitergeleitet werden. Das bedeutet, dass es von unseren Stimmungen abhängt, ob wir etwas dauerhaft lernen. Ein gutes Gefühl ist gewissermaßen der Schlüssel zur Tür des Cortexes.

Diese Erkenntnisse erklären, warum ein Kind auf ein geschütztes Umfeld mit positiven Beziehungen angewiesen ist, um nachhaltig zu lernen. Wir brauchen eine Systemkultur, die diese Werte vermittelt. Leider findet auch diese Erkenntnis noch viel zu wenig Berücksichtigung in unserer Gesellschaft. Damit Kinder in der Schule erfolgreich sein können, brauchen sie eine Lernlandschaft, welche durch Freude, Begeisterung und Entdeckergeist gekennzeichnet ist.

Welche Auswirkungen hat die Anwendung von Stilleübungen auf das Verhalten der Kinder?

Die Kinder sind entspannter und haben weniger Stress. Durch gesteigertes Wohlbefinden verbessert sich das Sozialverhalten in der Gruppe und das Gruppenklima. Ebenfalls steigert sich durch die Silencer-Methode die Konzentrationsfähigkeit und somit die Leistungsfähigkeit im Unterricht. Ein Kind mit einem hohen Maß an innerer Ruhe kann leichter reflektiert nach Lösungen suchen.

Durch geistige Übungen mit den „Perlen der Stille“ werden die neuen Glaubenssätze gezielt herbeigeführt. Unser Gehirn kann zwischen tatsächlich Erlebtem und imaginären Vorstellungen nicht unterscheiden. Daher ist es so wichtig, Verantwortung für die eigenen Gefühle und Gedanken zu übernehmen.

Kinder sollen ganz selbstverständlich lernen, sich im Alltag selbst zu regulieren und die Aufmerksamkeit auf die Qualität der Gedanken zu überprüfen. Das Gehirn verfügt über neuronale Plastizität und verändert sich in dem Ausmaß, wie es genutzt wird.

Durch geistiges Training verändern sich die neuronalen Schaltkreise im Gehirn und so können wir unsere Gedanken und Gefühle selbst beeinflussen.

Je öfter wir uns bewusst entspannen oder an positive Dinge denken, desto mehr werden die Inhalte ins Unterbewusstsein verschoben.

Die Silencer-Methode ist also eine ernstzunehmende Alternative zu Metylphenidat. Die Silencer-Methode kann als verhaltenstherapeutische und pädagogische Selbsthilfetechnik eingesetzt werden. Sie hilft in einer beschleunigten Welt, mit der Reizfülle und den intensiven Gefühlen, umzugehen.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, wenn wir innerlich unter Strom stehen, sind wir in unserer Kreativität blockiert. Unter Druck stehen uns lediglich die gleichen Handlungsmuster zur Verfügung die uns meist die Probleme geschaffen haben und wir finden keine kreativen Lösungen für bestehende Aufgaben. Deshalb sind Stille-Übungen und die damit verbundene Fähigkeit sich selbst zu regulieren, so wichtig, wenn wir wirkungsvolle Entscheidungen treffen wollen.

Wir müssen lernen, unsere Gefühle und Gedanken bewusst so zu steuern, dass wir uns aus dem Handlungsmuster „Reagieren“ befreien und uns hin zum „Agieren“ bewegen.

 

 

                                   Es ist nicht genug zu wissen,

                                      man muss es auch anwenden.

                                   Es ist nicht genug zu wollen,

                                      man muss es auch tun.

                                                                           Johann Wolfgang von Goethe

Herzlichst,

Ihre Heike Landers

Heilpädagogin

Silencer-Master

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