Was ist Hochsensibilität und was kann man tun?

Für hochsensible (-sensitive) Menschen ist der Alltag in unserer Gesellschaft nicht immer leicht zu bewältigen: Reizüberflutung und eine intensiv erlebte Gefühlswelt machen aus einer Gabe schnell eine Belastung.

 

 

Schutz und Abgrenzung gelingt oftmals nur durch konsequenten Rückzug, denn äußere Reize, wie beispielsweise Lärm, grelles Licht, verschiedene Gerüche, das Großraumbüro, überfüllte Innenstädte und der Kontakt mit anderen Menschen, sowie innere Reize, wie Gedanken, Gefühle, Hunger, Schmerz und die allgemeine Stimmung lassen sich in den meisten Fällen nicht auf Knopfdruck abstellen. Was als Konsequenz folgt, ist ein erregtes Nervensystem, das wie bei einer Gitarrensaite in Schwingung gebracht wurde. Diese Schwingung muss erst einmal ausklingen, so dass Phasen der Ruhe und Erholung für Hochsensible sehr wichtig sind. Kleine Auszeiten über den Tag verteilt sind Kraftquellen, um die körpereigenen Batterien wieder aufzuladen.

 


Wo liegt denn das Problem?


Hochsensibilität (wiss.: Sensory Processing Sensitivity) beschreibt eine Wahrnehmungsbegabung, deren Ursache nicht in den Sinnesorganen per se liegt, sondern im Gehirn. Sensorische Informationen werden „anders“ übermittelt bzw. organisiert und die rechte Gehirnhälfte (limbisches System) spielt eine entscheidende Rolle dabei. Bei Hochsensiblen funktioniert die Wahrnehmung nach anderen Regeln, denn die Grundeinstellung zur Datenaufnahme und –organisation unterscheidet sich von derjenigen, die die überwiegende Mehrheit der Mitmenschen hat. Hier liegt einerseits der Knackpunkt für die leichte Überflutung mit Reizen, andererseits jedoch die Lösung.

 


Unsere zwei Gehirne


Wir Menschen haben sozusagen zwei Gehirne, ein kognitives- und ein emotionales-. Das emotionale Gehirn (limbisches System) ist schon sehr alt und war immer dafür zuständig unser Überleben zu sichern, während das kognitive Gehirn (Neokortex) bewusst, rational und sprachlich arbeitet. Diese beiden Gehirnhälften arbeiten sehr unterschiedlich und Probleme entstehen immer dann, wenn die Zusammenarbeit nicht so gut funktioniert. Das emotionale Gehirn ist einfacher als der Neokortex organisiert, hat jedoch einen engen Kontakt zu unserem Körper, weshalb die Überflutung mit Reizen auch immer unmittelbare körperliche Auswirkungen hat. Das limbische System ist auch nicht in regelmäßigen Neuronenschichten angeordnet, weshalb die Verarbeitung von Informationen durch die miteinander verschmolzenen Nervenzellen schneller, aber zunächst ungenauer erfolgt. Beispielsweise erregt ein umherliegender Ast im Wald schnell unsere Aufmerksamkeit, weil er als Tier (Schlange) gedeutet eine potentielle Gefahrenquelle darstellt. Gibt das limbische System bei der Wahrnehmung nämlich den Ton an, dann scannt es permanent die Umgebung nach möglichen Gefahren und will so viel wie möglich wahrnehmen. Das ist in einer reizarmen Umgebung und in besonderen Situationen sicherlich von Vorteil, in unserem Alltagsgeschehen zeigt sich jedoch die andere Seite der Medaille: Das Nervensystem ist (über-)erregt und das setzt uns und unseren Körper massivem Stress aus.

 


Trainieren Sie Ihre andere Art der Wahrnehmung


Um der täglichen Reizflut zu begegnen habe ich die Silencer®-Methode entwickelt. Natürlich habe ich dabei an alle Hochsensiblen (-sensitiven) gedacht, denn Schutz und Abgrenzung sind ein großes Thema in meiner Praxis, aber mittlerweile sind auch Menschen, die von Natur aus einen andere Grundeinstellung der Wahrnehmung haben von reizintensiven Umgebungen gestresst.

Die Silencer®-Methode schult die Wahrnehmung und reguliert den Input auf ganz natürliche Weise. Sie schult auch die Emotionsregulation, denn hochsensible Kinder und Erwachsene erleben eine intensive Gefühlswelt, die manchmal auch zu großer Traurigkeit führen kann. Als Folge können psychosomatische Beschwerden, Stress, Traurigkeit, Ängste und das Gefühl nicht dazugehören zu können entstehen, aber das muss ganz und gar nicht sein. In meinem neuen Buch „Perlen der Stille“ (VAK Verlag / 12,99 €) habe ich 40 Übungen nach neusten Ergebnissen aus der Hirnforschung, Psychologie und Quantenphysik zusammengetragen, die einfach und schnell anzuwenden sind.

 

Herzlichst,

Ihre Birgit Trappmann-Korr